Schloss Hohenlimburg

Chance auf gütliche Einigung vertan

Fürstenhaus sucht nach dem Scheitern der Gespräche mit dem Förderkreis des Kaltwalzmuseums eine neue Lösung

Der Förderkreis Deutsches Kaltwalzmuseum sucht weiter die juristische Konfrontation mit der Schloss Hohenlimburg gGmbH und dem Fürstenhaus Bentheim-Tecklenburg als deren Hauptgesellschafter und Eigentümer des Schlosses Hohenlimburg: „Wir wurden vom Landgericht in Hagen darüber informiert, dass der Förderkreis die seit April dieses Jahres nach gemeinsamer Übereinkunft ruhenden Gerichtsverfahren wieder aufnehmen will“, berichtet Fürst Maximilian zu Bentheim-Tecklenburg. „Damit haben sich offenkundig die Hardliner im Förderkreis durchgesetzt und die Chance auf eine gütliche Einigung vertan.“

Fürst Maximilian spielt damit auf den Rückzug von Wolfram Schulte aus dem Vorstand des Förderkreises Deutsches Kaltwalzmuseum an. „Damit ist uns ein wichtiger Gesprächspartner auf dieser Seite verloren gegangen“, so der Fürst. Schulte vertrat im Vorstand eine eher moderate Linie, die auf eine Verhandlungslösung im seit zwei Jahren schwelenden Streit zwischen Fürstenhaus und Förderkreis setzte. „Wir hatten schon einen gemeinsamen Termin bei der NRW-Stiftung in Düsseldorf vereinbart, um die brisante Frage einer möglichen Rückforderung der von der Stiftung gezahlten Fördergelder zu erörtern. Dazu ist es leider nicht mehr gekommen.“

Die Verstimmungen zwischen Fürstenhaus und Förderkreis wurden erstmals Mitte 2015 öffentlich sichtbar, als der Vorstand des Förderkreises Deutsches Kaltwalzmuseum den 2005 geschlossenen Gesellschaftsvertrag der Schloss Hohenlimburg gGmbH überraschend gekündigt hatte. Ursache war die Weigerung des Förderkreises, durch ein gerichtliches Mediationsverfahren prüfen zu lassen, ob die bis Dato mietfreie Museumsnutzung des Alten Palas noch vereinbar sei mit dem 2004 geschlossenen Nutzungs- und Gestattungsvertrag. Dieser verpflichtet den Verein, Defizite aus dem Schlossbetrieb durch einen Finanzierungsbeitrag anteilig auszugleichen. Aus der Sicht des Fürstenhauses war dies geboten nach der Reduzierung der Zuschüsse der Stadt Hagen auf ein Drittel des Ursprungsbetrages und der Schließung des Schlossrestaurants: „Grundsätzlich sind Verträge einzuhalten, auch für den von überaus vermögenden Industrieunternehmen getragenen Förderkreis des Kaltwalzmuseums. Gleiches Recht für alle“, so Fürst Maximilian. Der Förderkreis stellte jedwede Verpflichtung zu einer Zahlung in Abrede mit der Begründung, dass der Museumsbetrieb im Obergeschoss des Neuen Palas eingestellt worden und damit eine Vertragsgrundlage entfallen sei. „Tatsächlich aber wurden zu dieser Zeit dort dringend notwendige Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. In einer Baustelle kann man aber keine Ausstellung machen“, begründet der Fürst, warum er diese Argumentation für eine Schutzbehauptung hält. Zu Beginn dieses Jahres erhob die Schloss Hohenlimburg gGmbH daher Klage vor dem Landgericht Hagen mit dem Ziel, den mit dem Förderkreis geschlossenen Vertrag prüfen und die Rechtmäßigkeit der Mietforderung feststellen zu lassen. Der Förderkreis antwortete mit einer Gegenklage – auch gegen Fürst Maximilian persönlich, kündigte den Kooperationsvertrag und außerdem den bereits zuvor angedrohten Auszug des Kaltwalzmuseums aus dem Schloss an, der mittlerweile fast abgeschlossen ist.

Rückzahlung droht
„Man könnte nun meinen, dass es sich um ein rein juristisches Geplänkel zwischen zerstrittenen Vertragsparteien handelt ohne weitere Relevanz für die Öffentlichkeit“, wirft Rechtsanwalt Frank Bollmeyer von der Gütersloher Kanzlei Schils & Kollegen ein, der das Fürstenhaus in dieser Angelegenheit vertritt und berät. „Aber die Reaktionen in den Medien und im Internet zeigen, dass hier ein starkes öffentliches Interesse besteht. Darüber hinaus droht auch noch erheblicher finanzieller Schaden, alleine schon durch die mögliche anteilige Rückforderung der Fördermittel durch die NRW-Stiftung, die der Förderkreis Deutsches Kaltwalzmuseum zu tragen hätte.“ Diese Mittel waren gezahlt worden, um das Dachgeschoss des Alten Palas auszubauen und einer musealen Nutzung zuzuführen.

Schaden abzuwenden und moderate Lösungen zu finden war daher das Ziel der Gespräche mit dem Vorstand des Förderkreises, und daran halten das Fürstenhaus und die Schloss Hohenlimburg gGmbH auch nach der Aufkündigung des „Waffenstillstands“ vor Gericht seitens des Förderkreises weiterhin fest. So hat expo2508, eine renommierte Agentur für Ausstellungskonzeption und -gestaltung aus Bonn, im Auftrag des Fürstenhauses und mit Unterstützung des Heimatvereins ein Konzept für eine neue museale Nutzung des Alten Palas erarbeitet. Sie soll sich der Historie und Bedeutung des Schlosses widmen sowie der umgebenden Region, insbesondere mit Blick auf die Industriegeschichte. Im Dachgeschoss des Alten Palas könnten dann unter anderem auch die bereits im Schloss befindlichen, aber etwas versteckt ausgestellten Exponate des Heimatvereins einen Platz finden. „Wir hoffen hier sehr auf die Mitwirkung des Heimatsvereins“, so Fürst Maximilian. „Wir stehen in engem Dialog mit dem Vereinsvorstand, wollen aber dessen Entscheidungsfindung weder vorgreifen noch beeinflussen.“ Diese Lösung hätte den Vorteil, dass die NRW-Stiftung ihre Förderung vermutlich nicht zurückziehen würde, da eine museale Anschlussnutzung nach dem Auszug des Kaltwalzmuseums gewährleistet ist. Hier fordert der Fürst den Förderkreis nun auf, sich wenigstens an übliche Gepflogenheiten anlässlich des Endes einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit zu halten: „Wir wurden weder über den Beginn des Auszuges noch über dessen voraussichtliches Ende informiert. Noch immer befinden sich einige Exponate im Alten Palas, und einen Termin zur Schlüsselübergabe gibt es auch noch nicht. Wir fordern den Förderkreis daher auf, den Alten Palas zügig zu räumen, damit wir ihn – auch im Sinne der Schlossbesucher – möglichst schnell neu bestücken und in die regulären Schlossführungen einbeziehen können.“